Stadtgeschichte ist Ehrensache

Mit seinen 25 ehrenamtlichen Mitarbeitern ist das Frechener Stadtarchiv stark aufgestellt. Sie wecken mit ihren spannenden Veröffentlichungen und Ausstellungen das Interesse der Frechener für die lokale Geschichte.

von Ines Grünheck

Christian Plück karikiert, malt und fertigt Zeichnungen, Skizzen und Lagepläne an. Er hat beispielsweise die Karikaturen für die Ausstellung "Frechener Köpfe" angefertigt. Früher war er Ingenieur bei Cremer & Breuer. Bereits 18 Jahre ist er dabei und hilft immer noch ein bis zwei Mal in der Woche.
Egon Heeg ist seit über 50 Jahren ehrenamtlich für das Stadtarchiv im Einsatz. Damals studierte er noch Geschichte in Köln. Frechen hatte damals bereits ein historisches Stadtarchiv, so verschlug es ihn hierher. Schnell machte er es sich zur Aufgabe, seitenweise alte Akten des 19. Jahrhunderts zu paginieren. Heute ist er ehrenamtlicher Denkmalbeauftragter der Stadt Frechen und Autor vieler Bücher mit lokalhistorischem Hintergrund.
Wilfried Bürgel, seit 2003 dabei, arbeitet alte Bildaufnahmen auf. Im vergangenen Jahr wurde ein Bestand von über 40.000 Dias an das Archiv übergeben. Diese Sammlung dokumentiert Lokomotiven, die zu Braunkohlezeiten in der Region im Einsatz waren. Bis zu 16.000 Bilder jährlich bearbeitet der ehemalige Handwerker. Zwei Mal in der Woche kommt er ins Stadtarchiv, denn das brauche er. "Ein Ehrenamt bedeutet etwas für die Gemeinschaft zu tun und das ist mir wichtig!".
Josef Bucco erzählt: "Jeder hat sich immer um die Bartmänner gerissen - mir war das zu doof!" Er sammelt lieber Steinzeug. Unter anderem hat er einen Handelsplatz aus der Steinzeit ausfindig gemacht. Den Ort behält er jedoch lieber für sich, denn er kann auch von Raubgrabungen berichten.
1998 fand er den Standort dreier römischer Sarkophage. Zwei davon konnte er an das Landesmuseum übergeben. Ein Sarkophag wurde vorher leider gestohlen. "Gefunden haben wir nur ne alte Schaufel und eine leere Dose Cola!", erinnert er sich. Der Sarkophag gilt bis heute als verschollen.
Cäcilia-Agnes Otten liebte immer schon die Heimatkunde und wollte gerne erfahren wann die Ringschule erbaut wurde, an der sie unterrichtete. Seit 2004 fasst die ehemalige Grundschullehrerin alte Zeitungsartikel zusammen und katalogisiert sie. Dabei hat sie schon viele Ausgaben des zwischen 1925 und 1935 erschienenen "Frechener Tageblatts" durchstöbert und stieß dabei auf sehr viele interessante Geschichten. Für die über 10.585 bearbeiteten Artikel hat sie die Ehrengabe der Stadt Frechen erhalten.
Auch Bürgermeister a.D. Hans-Willi Meier ist jetzt ehrenamtlich für das Stadtarchiv im Einsatz, an dessen Aufbau er maßgeblich beteiligt war. "Ich ging durch die alten Gänge des ehemaligen Stadtarchivs und fand die schönen Pokale der Frechener Stadtmeisterschaften in Steno und Schreibmaschine. Leider war alles in einem schlechten Zustand", erinnert sich Meier an seine Anfänge im Rathaus.
Die in den Kellergängen gestapelten Kartons seien kein schöner Anblick gewesen. Meier suchte nach einer Lösung und orientierte sich am modernen Archiv der Stadt Kerpen. Die Überlegungen, das Frechener Stadtarchiv schließlich aus dem alten Rathauskeller in das Gebäude des damaligen Keramikmuseums umziehen zu lassen, fiel ihm leicht, "denn die Besucherzahlen des Museums waren überschaubar".
Seit 2000 befindet sich das Stadtarchiv nun auf der Hauptstraße gegenüber des Klüttenbrunnens. Zudem lobt Hans-Willi Meier das Engagement der Helfer: "Eine bombastische Leistung! Ohne die Helfer wäre es in diesem Ausmaß nicht möglich, das Archiv zu führen."
Auch der Leiter des Stadtarchivs, Alexander Entius freut sich und ist sehr dankbar für den ehrenamtlichen Einsatz. Das Interesse an der Frechener Geschichte sei einfach groß. 1999 fanden sich die ersten ehrenamtlichen Helfer zusammen, nachdem sie an der VHS-Geschichtswerkstatt teilgenommen hatten.
Bernd Mayrhofer erforscht die Frechener Industriegeschichte und ist von Anfang an dabei. Er befasst sich mit den Themen Steinzeug, Braunkohle und Quarzsand. Um die alten Akten studieren zu können, hat er sich sogar beigebracht die Deutsche Schrift zu lesen.
"2003 wurde es bei mir zu Hause ein bisschen eng". Seit 2008 hat er daher einen eigenen Raum im Gewölbe des Stadtarchivs, indem er seine Fundstücke lagert und katalogisiert.
Edith Bochmann, Vorsitzende des Fördervereins wurde damals "einfach ins kalte Wasser geschmissen", als sie die Aufgabe erhielt, den Verein aufzubauen. Mittlerweile ist sie über zehn Jahre im Amt und der Job macht ihr immer noch Spaß. Mit 133 Mitgliedern sei der Verein sehr stark und zeige, wie sehr sich die Frechener für die Geschichte ihrer Stadt interessieren.
Zusätzlich archiviert sie Bücher aus dem Fundus des verstorbenen Stadtanzeiger-Redakteurs und Lokalhistorikers Helmut Weingarten und prüft dabei, ob sie in den Bestand passen oder bereits vorhanden sind. Häufig werden dem Archiv Bücher, Fotos und Unterlagen aus Wohnungsauflösungen angeboten. "Die große Kunst ist das Wegwerfen!" Nur knapp 5 Prozent können behalten werden, erklärt Alexander Entius. Umso schöner ist es, dass Edith Bochmann bereits über 500 Euro über den Verkauf von Dubletten für den Verein einnehmen konnte.

Günther Kraushaar ist bekannt für seine Geschichten über die Frechener Mundart. "Sein Buch "Leben im alten Frechen" gehört zur Frechener Grundausstattung. Es ist unser Bestseller", sagt Alexander Entius. Im März hält Kraushaar einen Vortrag zur Geschichte der Frechener Polizei. Seine Lesungen sind sehr beliebt und immer gut besucht. Was ihn persönlich am Stadtarchiv fasziniert, ist das Geschick, wie die Menschen für Geschichte und die Arbeit des Stadtarchivs begeistert werden. Kraushaar: "Herr Entius, wie auch Herr Meier stecken mit Ihrer Begeisterung an."
Walter Meyer, einziger Königsdorfer der fröhlichen Runde, brachte damals neben einem Computer, viele Fotos von Königsdorf mit. Mittlerweile arbeitet er konzentriert von zu Hause aus und scannt neben unzähligen Fotos auch die Dias, die Wilfried Bürgel mühsam aufbereitet.
Die Gruppe trifft sich immer Donnerstagnachmittag. Verpflichtungen gibt es aber keine. Je nachdem welche Themen gerade anstehen ist eben mehr, oder mal weniger zu tun. Das nächste große Ausstellungs-Thema steht auch schon fest. Die Arbeitsgruppe "Bachem" wird sich mit dem urkundlich erstmalig im Jahre 866 erwähnten Dorf befassen. "Es wird nie langweilig", fügt Edith Bochmann noch hinzu. "Wir sind immer bemüht auch den Raum der Geschichte aktuell zu halten." Dieser sei nämlich besonders für Schulklassen interessant, die gerne wiederkehren, wenn es etwas Neues zu erkunden gibt.

Letzte Änderung: Donnerstag, 25.02.2016 17:30 Uhr

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